Tromba Hispanica - Barocktrompeten Ensemble Berlin

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Battallas y Canciones

Tromba Hispanica - Battallas y Canciones
Musik der spanischen Hof-Trompeter

Bestechend ist, wie die sieben Mitglieder des Berliner Trompetenensembles jetzt auf ihrer CD zu einem gemeinsamen Zusammenklang  finden. Jede einzelne Stimme ist darin eingeschmolzen – und dennoch  bleibt der glasklare Charakter der alten Instrumente erhalten. - RBB Kulturradio
  
"Tromba Hispanica" (Die spanische Trompete) gibt ein buntes Panorama der Hochkultur der Trompetenkunst auf der Iberischen Halbinsel, von den Berliner Barocktrompetern kongenial umgesetzt - traumhaft sicher in der  Intonation, kristallklar und hell im Klang, mitreißend und beeindruckend  im beherzten Musizieren. - Bayern 4 Klassik


Im frühen 16. Jahrhundert wurde in Europa eine mächtige Achse geschmiedet. Das spanische Königshaus verband sich mit dem habsburgischen Imperium, zu dem auch weite Teile Norditaliens gehörten. Diese Relationen brachten eine - heute so selbstverständliche Reisetätigkeit - der Gesandten, Diplomaten aber auch der hohen Potentaten mit sich und die Trompeter-Korps der Höfe waren als ständige Reisebegleiter Repräsentationsmittel und musikalische Gesandte zugleich. Dem mächtigen Trompeten-Ensemble des Wiener Kaiserhofes - um 1600 waren dort etwa 30 Trompeter und Pauker beschäftigt - stand standen am spanischen Königshof zwei etwas kleinere Trompeter-Korps gegenüber. Das Spanische, das schon vor der Vereinigung der Höfe bestand und ein neu eingerichtetes italienisches Trompeten-Ensemble.

Aber auch deutsche Trompeter spielten in diesem Konzert der Nationen um Macht und Ansehen eine nicht unbedeutende Rolle. Durch ihre straffe Organisation in der Reichszunft und ihre sehr gute Ausbildung genossen die deutschen Trompeter einen hervorragenden Ruf und hatten einen sehr hohen Marktwert. Als im Jahr 1638 zwei deutsche Trompeter am spanischen Hof eingestellt wurden, mußten, um sie zu bezahlen zu können, zwei italienische und sechs spanische Trompeter entlassen werden.

Während die Musik der italienischen Trompeter bis auf wenige Ausnahmen weitestgehend erforscht und katalogisiert ist, harren viele Schätze der spanischen Trompetenmusik noch ihrer Entdeckung. Häufig tauchen gerade in spanischer Orgelmusik Titel wie Batalla, Cancion de Clarines, Trompetas y Clarines  etc. auf. Einerseits kann dieses auf die Verwendung des Clarin-Registers, den bekannten spanischen Horizontaltrompeten hindeuten, andererseits ist es nicht auszuschließen, daß es sich dabei um eine Überlieferung von populärer Trompetenmusik handelt, deren direkte Notation durch das Geheimhaltungsgebot der Trompeterzünfte verboten war.

Auch der Einsatz von Perkussionsinstrumenten ist fast nie in Notenform überliefert worden. Doch durch zeitgenössische Aufführungsberichte wissen wir um die Verwendung vielfältiger Schlaginstrumente in der Alten Musik. Neben Pauken und Trommeln, die traditionell den Trompeten beigeordnet werden, kommt ein vielfarbiges Instrumentarium von Rahmentrommeln und Tambourins zum Einsatz, das den südländisch-tänzerischen Charakter der Musik unterstreicht und den starken Einfluss der maurisch-arabischen Musik zeigt.

Die Kunst der Diminution und Improvisation war bei den Trompetern des hohen Registers (Clarino) in Renaissance und Barock weitverbreitet. Ähnlich wie heute beim Jazz, bei dem sogenannte „Patterns“ (Phrasen, Versatzstücke) über dem laufenden Harmonieschema in die Improvisation eingefügt werden, besaßen die Hoftrompeter einen großen Schatz an mündlich überlieferter Musik, die zu einer notierten Prinzipalstimme (3. Trompete) gespielt oder improvisiert wurden. Die beiden Chaconnas am Anfang und Ende der CD sind ein Versuch der Rekonstruktion einer solchen Gruppenimprovisation und zeigen in ihrer Beweglichkeit und Spielfreude die großen Möglichkeiten der Naturtrompete in der Kunstmusik.

In unserem Programm erklingen neben italienischer Trompetenmusik des Habsburger Hofes eben diese Werke, die sich in Tabulaturen und Orgelmusik spanischer Komponisten verbergen. Sie sind im wahrsten Sinne "zurückbearbeitet" und geben einen kleinen, aber um so glanzvolleren Einblick in die Hochkultur der Trompeterkunst auf der Iberischen Halbinsel.

Johann Plietzsch 2012

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